Gastbeitrag von Jenny: „Ich habe das wunderbarste Kind!“

Gastbeitrag von Jenny: „Ich habe das wunderbarste Kind!“

Jedes Mal, wenn ich die Zeilen dieser Mama lese, werde ich ganz still. Sprachlos. Voller Ehrfurcht.

Als ich diese Geburtsgeschichte zugeschickt bekommen hatte, wollte ich sie eigentlich nur kurz aufmachen und für später an einem neuen Ort abspeichern.
Aber ich konnte nicht widerstehen und habe ein paar Zeilen gelesen, dann noch ein paar und dann habe ich kapituliert.
Ich musste einfach alles lesen . JETZT.

Ich habe viel gelacht und einige Tränen geweint.
Danke, liebe Jenny, teilst du Eure WUNDERvolle Geburtsgeschichte mit uns.

 

 

„Ich weiß gar nicht recht, wo ich anfangen soll…

Wahrscheinlich am besten bei der Vorfreude, die wir auf dich hatten. Schon die ganzen neun Monate. Nein, eigentlich schon bevor du dich überhaupt in meinem Bauch eingenuschelt hast, freuten wir uns sehr auf dich.
Und mit dieser Vorfreude wuchs und wuchs mein Bauch bzw. bist du gewachsen.
Es gab zwei, drei Momente, da weinte ich vor lauter: „Was kommt bei der Geburt auf mich zu? Werde ich diese Schmerzen aushalten, von denen man sagt, dass sie die schlimmsten überhaupt seien? Werde ich dich rauspressen können?“ Wenn ich an mir runtergesehen habe, schien mir die Öffnung auf gar keinen Fall groß genug.

Dein Vättu (so nennen wir den Papa bei uns in der Schweiz) hörte mir immer wieder zu, nahm mich in den Arm, bestärkte mich in meiner Rolle als Frau und werdende Mutter und sagte so bestimmt „Natürlich schaffst du das. Wenn es eine schafft, dann du“, dass ich nicht anders konnte, als es langsam selbst zu glauben.

Bei unserer Beleghebamme (die beste!) machten wir den Geburtskurs, ich las die Bücher „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina Gaskin und „Die gewaltfreie Geburt“ von Leboyer und nach und nach freute ich mich nicht „nur“ auf dich, sondern auch ganz fest auf das großartige Ereignis, wenn du zu uns kommen wirst, in unsere Arme. Ich freute mich sooo sehr darauf, dass ich bei jeder Senkwehe hoffte, dass es nun losgeht. Ich freute mich, meine Kraft und Stärke als Gebärende zu entdecken.

Eines Nachts erwachte ich mehrmals und musste immer wieder groß auf die Toilette. Im Halbschlaf dachte ich, bravo, so kurz vor dem Termin habe ich mir noch eine Grippe eingefangen.
Bling – in dem Moment war ich hellwach.
Wie habe ich es gelesen: Wenn du denkst “Oh Mist, ‘ne Grippe”, dann ist das oft ein Zeichen für den sehr baldigen Geburtsbeginn. Ich weiß noch genau, wie glücklich ich wieder einschlief. Deinen Vättu wollte ich auf seiner Nachtwache nicht unnötig hibbelig machen.

Am Morgen spürte ich ein leichtes Ziehen. Wie das Ziehen während der Menstruation. Aber eher noch leichter, angenehmer. Ich war mit einer meiner besten Freundinnen zum Brunchen in der Stadt verabredet.
Geh ich oder nicht? Ruf ich die Hebamme an?
Ach Quatsch, das kann ja noch eeeewig dauern. Also habe ich mir die Wehen-App runtergeladen – regelmäßige, sehr leichte Wehen im 10-Minuten-Abstand – stieg ins Auto und bin brunchen gefahren.

Unterwegs rief mich Mutti an, ich erzählte von den Wehen, sagte: „Vielleicht sind es wieder diese Übungswehen, viel zu leicht für echte“.
Und sie warnt mich noch:
„Wenn du so schnell gebärst wie ich, fährst du jetzt besser nicht mehr zu weit weg“.

 

Der Brunch war herrlich. Die Gespräche auch. Meine Freundin ist wunderbar. Zwei Mal fragte sie mich: „Hast du gerade eine Wehe? Ich sehe es.“ Wir spotteten, dass es vielleicht ja eh noch eine Woche dauert.

Sie fragte mich noch, was ich nachmittags vorhabe. Ich antwortete lachend: „Ich geh jetzt gebären.“

Auf dem Nachhauseweg ging ich einkaufen. Ich dachte mir, dazu wird dein Vättu in den nächsten Tagen gewiss nicht kommen.
Doch warum konnte ich denn kaum gehen?
Das Einkaufskörbli konnte ich nicht gäbig tragen, deswegen habe ich es an die Kasse gestellt und alle Produkte einzeln durch den Laden ins Körbli gebracht.

Kaum Zuhause, habe ich den Schleimpfropf verloren. Die Wehen-App angemacht: 4-Minuten-Abstände.
Es blinkte rot mit dem Hinweis „Bitte gehen Sie umgehend ins Krankenhaus!“

Dein Vättu und ich lachten uns schlapp. Was, ins Spital, jetzt schon?! Die Wehen sind doch erst leicht! Also haben wir die Hebamme angerufen. „Du, das kann noch Nacht werden, du hörst dich nicht an, als ob es jetzt gleich losgehen würde. Geh baden und melde dich, wann immer du möchtest.“

Gut. Ich habe mir ein Bad eingelassen. Dein Vättu und ich redeten mit dir. Willst du wirklich endlich zu uns kommen?
Kleine Freudentränen flossen, wir konnten unser Glück kaum fassen.

Deinen Vättu schickte ich noch zu einem einstündigen Infoanlass. Er fragte, ob ich denn ganz sicher sei. Ja natürlich, die Hebamme hat doch gesagt, es kann noch Nacht werden, bis es losgeht.
In der Badewanne denke ich so, Moment, während der Geburt ist man ja im Flash. Aber das bin ich nicht (denkste, und ob!). Also ist es doch nicht die Geburt.
Naja, baden ist ja trotzdem schön. Ich war etwas enttäuscht.

Ich genoss diese Zeit mit dir sehr intensiv; genoss es ganz bewusst, dich zu spüren. Du zappelst wie verrückt, richtige Wellen gehen durch mich hindurch.
Willst du raus? Bist du bereit?
Oh, mein Schatz, wie ich dich liebe! Wie ich mich freue, dich so oder so bald halten zu können. Ob heute oder doch erst in ein paar Tagen.

Plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich überlege, ob ich dich wohl hier in der Wanne gäbig gebären könnte. Versuche, meine Beine so weit wie möglich zu spreizen. Huch, aber dann ist es doch ernst? Ich gehe besser mal raus.
Ich rufe noch von der Wanne aus dein Gotti (Patin) an. Ich frage sie (wie im Vorhinein abgesprochen), ob sie zu mir kommen kann und möchte. Ich erwähne noch, dass es eventuell nur Übungswehen seien, aber doch wäre es mir wohler, sie wäre da. Ja, sie sei schon am Losspringen! Hoppla, da habe ich doch gleich etwas ins Telefon gestöhnt. Ja, jetzt aber… warum gopf noch mal komme ich kaum mehr aus der Wanne?

JETZT bin ich sicher: Du kommst!
Die Wehen oder besser gesagt Wellen kommen nun so schnell nacheinander, dass ich es in den kurzen Pausen nicht mal in die Unterhosen schaffe. Ich atme langsam, konzentriert, halte mich am Badmöbel fest. Ah ja, so geht es prima.

Ich strahle mich im Spiegel an.
Ja, ich gefalle mir schwanger sehr gut! Und ja, es dünkt mich heute, dass ich so sehr nach Mama aussehe wie noch nie.

Ui, fertig mit denken, die nächste Welle kommt. Als dein Gotti ca. 10 Minuten später eintrifft, seh ich ihrem Blick an, dass ich wohl schon ganz schön am Gebären bin. Sie sagt ganz trocken: „Das sind keine Übungswehen“ und dann etwas besorgt: „Sind eure Badetücher immer noch da, wie immer?“ (Im Nachhinein teilte sie mir mit, sie habe gedacht, du würdest jeden Moment auf den Boden flutschen.)

„Hast du die Hebamme schon angerufen?“ Nein, wie hätte ich auch gewollt? Ich war viel zu beschäftigt mit Wellen veratmen, am Möbel halten und versuchen, mich anzuziehen. Sie drängt mich zum anrufen.
Moooment, nur keinen Stress, ich muss erst noch die nächste und übernächste Welle veratmen.
Dann rufe ich sie an. Sie hörte meinem Stöhnen an, dass sie jetzt direkt kommen muss.

Noch kurz deinem Vättu geschrieben: „Komm!“

Dein Gotti (Patin) ist so liebevoll, hilft mir in die Unterhosen, was ich sonst noch wünsche? Ein Bier! Ein alkoholfreies natürlich. Ungläubig schaute sie mich an und holte mir eins. Sie fragte mich, ob ich mich nicht hinlegen möchte? Legen? Nur das nicht, nein! Ich will herumlaufen, mich bewegen. Dann wieder zur Kommode, um eine Welle zu veratmen. Dazwischen frage ich nur mal: „Gopf, wie stark wollen die denn noch werden?!“ Wir lachen zusammen.

Da kommt die Hebamme. Sie freut sich mit mir. Zu dritt lachen wir und freuen uns, dass du endlich kommst. Und dann kommt ja auch gleich dein Vättu. Der Klassiker: Das erste Mal in fünf Jahren, dass er auf dieser Strecke im Stau stand.
Doch nun ist er da. Er strahlt unglaublich, als er reinkommt.
Wir fallen uns in die Arme.
Uuund schon die nächste Welle.
Meine Hebamme untersucht mich auf dem Sofa. Uff, schon gute 8 cm offen! Ich reiße meine Hand in die Luft und juchze, ha, schon fast geschafft, juhu!

 

Allen Anwesenden ist bewusst, dass wir zuhause auf dem Sofa sind und ich doch eigentlich im Spital gebären will. Allen außer mir. Keine Sekunde denke ich daran. Mir doch alles egal – DU bist bald bei mir, das ist alles, was zählt.

Bei der Untersuchung stellt die Hebamme fest, dass du noch sehr hoch oben im Becken bist. Das sei ungewöhnlich bei diesem Eröffnungsgrad. Also doch noch ab ins Spital (sonst hätte sie entschieden, hier zuhause zu bleiben).
Sie teilt Johannes (meinem Mann) noch mit, dass er am Waldrand anhalten solle, falls die Presswehen eintreten würden. Kurz erhoffe ich mir das sogar.
Weißt du, wie schön es wäre, dich einfach so spontan mal im Wald zu gebären?

Doch Moment, so einfach ist es für mich nicht, ins Spital zu gelangen. Die erste Hürde ist unser Treppenhaus. Kaum ist eine Welle durch, kommt schon die nächste. Wie soll ich so ins Auto gelangen?! Dann ist es endlich geschafft, ich bin tatsächlich im Auto. Aber wie bitte soll ich nun knappe 15 min sitzen?
Geht’s denn noch?!
Ich bin am Rummotzen, dass ich nun wirklich nicht absitzen kann. Dabei setze ich mich. Irgendwie. Johannes strahlt mich an.
Er teilt mir mit, dass er sich sooo sehr auf genau diese Fahrt gefreut hat.
Ich finde das wunderschön, eigentlich. Doch muss ich mich zusammenreißen, dass ich ihn nicht blöd anmache. Geht’s noch, ich freue mich gar nicht jetzt Auto zu fahren?! Unterwegs merke ich, dass ich mein Bier vergessen habe und rufe immer wieder danach. Nichts will ich in diesem Moment mehr als mein Bier. Ich habe das Gefühl, dass ich austrockne. Bis dein Vättu fragt, ob er umkehren soll, um es zu holen. „Geht’s noch?!“ fahr ich ihn an.

So. Am Spital angekommen frage ich meine Hebamme (die alleine gefahren ist) vor dem Eingang, ob die Wellen noch viel stärker werden. Sie verneint. Ich sage nur: „Dann ist gut. Dann ertrage ich es“. Ich bin erleichtert.

Wie auch schon zuhause wünsche ich bei jeder Welle, dass mir Johannes oder die Hebamme die Hand aufs Kreuz drückt. Das ist unglaublich angenehm und lindert den Schmerz. Ich trinke wie ein Kamel, verlange immer und immer wieder nach Wasser.

Wow, das ist Sport, so ‘ne Geburt!
Ich komme richtig ins Schwitzen. Noch immer steh ich am liebsten und halte mich fest. Die Hebamme weist mich an, im Vierfüssler aufs Bett zu gehen, damit sie mich untersuchen kann. Du bist immer noch so hoch oben. Hast du Angst? Ist es dir zu wild? Ich töne schon ganz schön rum.

Nach Absprache mit mir sticht die Hebamme die Fruchtblase auf, denn sie hat das Gefühl, dass es an ihr liegt. Und voila – du rutschst grad runter. Doch nun habe ich plötzlich keine Wehenpausen mehr. Kaum flaut eine ab, kommt die nächste. Ich komme nicht mehr hinterher mit dem Veratmen, habe das Gefühl, ich bekomme keine Luft mehr.

Leichte Panik kommt in mir auf. Ich äußere, dass ich eine Wehenpause brauche. Ziemlich sachlich und klar. Das überrascht mich selbst.

Die Hebamme hat so schöne Hände. Was, warum denke ich so komische Sachen während der Geburt? Und während ich kaum Luft kriege? Zum Glück kriegen die Hebamme und auch Johannes meine teilweise wirren und so gar nicht geburtsmäßigen Gedanken nicht mit. Sie teilt mir mit, dass sie mir Wehenbremser gebe, denn das sei nicht ganz normal, so ganz ohne Pause.

Das CTG zeigt, dass es dir gut geht. Das beruhigt mich auch schon etwas.

Jetzt möchte ich in die große Badewanne. Uff, das Wasser tut sooo gut! Ich bin im Vierfüssler. Es zieht im Bauch, du bist immer noch wie verrückt am Zappeln.
Du wirst müde sein, denke ich, nach so einer anstrengenden Reise.

In den Wehenpausen döse ich immer wieder ein, erwache, wenn mein Gesicht ins Wasser platscht. Die Wellen werden noch etwas stärker.
Ich spüre richtig, wie du dich durch mein Becken schlängelst.

Plötzlich habe ich das Gefühl, dass ich es nicht schaffe.
Dass du zu groß bist.
Ich fühle mich als Versagerin, gebe deinem Vättu Bescheid, dass ich dich nicht rausbringe.
Er lächelt, sagt nur: „Und ob du ihn rausbringst. Mit links wirst du ihn rauspressen.“ Ich verzweifle, mein Mann nimmt mich immer ernst. Doch heute nicht. Er ist sich nicht bewusst, dass ich es nicht schaffe, er will mich bestärken. Dabei bringt das nichts. Du wirst drin bleiben, denke ich. Doch sage ich nichts mehr, denn die nächste Welle kommt schon.

Er streichelt mir übers Gesicht, bestärkt mich immer wieder und sagt, wie gut ich es mache. Nun denke ich, ja, er macht genau das, was ich mir gewünscht habe und bleibt so ruhig. Er ist der perfekte Geburtsbegleiter. Keinen anderen Menschen möchte ich anstelle von ihm bei mir haben. So eine schöne Bestätigung, keinen anderen Vättu möchte ich für dich.

Ich lächle, sage ihm, dass ich ihn liebe. Dass ich euch beide liebe.

Etwas verändert sich. Es spannt ganz fest zwischen meinen Beinen. Ich verspüre den Druck zu pressen. Nach der ersten Presswehe sagt mir die Hebamme, dass ich jetzt Geduld brauche. Dass es nun noch eine ganze Weile so weitergehen wird. Dass es ja mein erstes Kind sei, beim zweiten würde es dann rasanter gehen.

In der Pause lache ich und sage ihr, dass ich spiele, es sei das zweite.
Alle lachen wir. Dann kommt die nächste Welle. Ich konzentriere mich aufs Atmen. Obwohl der Druck in meiner Vagina größer wird und ich merke, wie ich gedehnt werde, ist es angenehmer als vorher. Endlich kann ich etwas machen, nicht nur atmen.

Da teilt die Hebamme erstaunt mit, dass sie das Köpfchen spüre und schon kommt die nächste Welle und ich denke noch, das fühlt sich aber an, als ob du JETZT kommen würdest, nicht als ob es dauern würde.
Und schon höre ich die ganz ruhige und feine Stimme meiner Hebamme: „Jenny, du kannst ihn nun nehmen, er ist da!“ Trotz meines Gefühls bin ich ganz verdattert, kann es kaum glauben.

Ich bin so aufgeregt und durcheinander, dass ich Angst habe, dich in meinen Händen zu verdrücken.
Du bist wunderschön! Ein gräuliches, schwarzhaariges Bündel im Wasser. Ich starre dich an und sage: „Gib ihn mir.“ Und du landest schmatzend auf meiner Brust. Ich drücke dich an mich, schaue deinen Vättu an, der uns beide umarmt.

Ich halte dich ganz heilig in meinen Händen. Es lässt sich nicht in Worte fassen, was ich in dem Moment gefühlt habe. Der bisher eindrücklichste, großartigste Moment in meinem Leben. Die ganz pure Liebe.

Plötzlich werden wir aus unserem Film gerissen: „Du blutest stark, du musst jetzt aus dem Wasser, ich kann nicht abschätzen, was genau los ist“.
Ich schaue runter, das Wasser ist rot. Ich lächle. Ist mir so egal.
Beim Raussteigen brauche ich Hilfe, mir ist unglaublich schwindlig.

Kaum auf dem Bett angekommen spüre ich eine leichte Wehe und dann flupp – die Plazenta liegt da. Ein eindrückliches Organ ist da in mir gewachsen und hat dich versorgt.
Ich streichle sie.
Innerlich danke ich ihr, dass sie so gut nach dir geschaut hat.

Dann kommt die Ärztin, lacht und sagt, dass du es wohl besonders pressant hattest. Die Hebamme lacht und sagt, ich hätte tatsächlich gespielt, es sei meine zweite Geburt. Sie bestaunen dich ganz ehrfürchtig, als wäre es auch ihre erste Geburt. So schön, alle Anwesenden erliegen deinem Zauber.

Ich habe sehr viel, zu viel Blut verloren. Ich lächle immer noch. So egal.
Du bist auf meiner Brust. Du bist gesund und wunderschön. Alles andere ist ganz plötzlich unwichtig.

Und ich platze fast vor stolz, ich fühle mich wie eine Königin. Ich habe dich geboren!

Die Geburt empfand ich weniger schmerzhaft, als ich mir das vorgestellt habe. Ja, ich kam an meine Grenzen, definitiv! Ja, es hat geschmerzt. Doch die Freude auf dich war viel größer, ich denke, das hat mir enorm geholfen mit den Schmerzen umzugehen.

Die Geburt habe ich mir ruhig, sanft und leise gewünscht (ganz nach Leboyer).
Doch sie war laut, schnell, kraftvoll. Und genau so war sie passend und wunderschön. Ich finde, dass es durchaus stürmisch und wild zugehen darf, immerhin bist du auf diese Welt gekommen.
Da ich so viel Blut verloren hatte, wurde leider nichts aus meinem Wunsch, ambulant zu gebären. Und weißt du was? So egal.

Du bist bei mir!
Mein Steißbein hast du irgendwie ziemlich vertätscht, zwei ganze Monate konnte ich mich nicht hinsetzen, aber ja, du ahnst es schon – so egal, ich habe dich, du bist gesund und scheinst gut angekommen zu sein.

So ist es bis heute: Du hast meine Welt auf den Kopf gestellt und meine Prioritäten verändert.
So oft denke ich: So egal,ich habe das wunderbarste Kind auf der Welt.

Ich liebe dich und bin dir unendlich dankbar, dass du mir zeigst, was mir wirklich wichtig ist im Leben.

Ich habe dich. Alles andere ist unwichtig.

Hat Dir der Artikel gefallen?
Dann teile ihn gerne mit deinen Freunden auf Facebook.
Herzlichen Dank für Deine Unterstützung!

Magst du uns erzählen, welche Geburtserfahrungen Du gemacht hast?
Wie hast Du die Schwangerschaft erlebt und die ersten Wochen mit deinem Baby?
Wir freuen uns auf deine Geschichte direkt hier unten in den Kommentaren oder via Mail an uns.

Gastbeitrag von Marie: Eine Geburt voller Geborgenheit und Schönheit

Gastbeitrag von Marie: Eine Geburt voller Geborgenheit und Schönheit

Die liebe Marie haben wir dank des Onlinekongresses Glückliche Babys und Kleinkinder kennen gelernt.
Sie hat den Kongress wegen ein paar Stunden verpasst und bei uns angefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, dass sie sich das Interview von Lara Horlacher über die Meergeburt noch anhören könne. So sind wir ins Gespräch gekommen und im Gespräch geblieben.

Weil sie so begeistert von der Geburt ihrer Tochter erzählt hat, habe ich sie gefragt, ob sie Lust hat, über ihr Erlebnis zu schreiben und es mit ganz vielen werdenden Mamas und Papas zu teilen.

Jetzt ist sie da, ihre Geburtsgeschichte und wir freuen uns riesig, sie mit euch allen teilen zu dürfen.

 

Ich sitze hier, eingekuschelt in meine Decke, auf dem Sofa im Wohnzimmer unseres kleinen Häuschens.
Unser Schwedenofen knackt und flackert und verbreitet eine ruhige und besinnliche Atmosphäre. Draußen schneit es und bald schon jährt sich ein so prägendes und wundervolles Ereignis, welches genau hier an diesem gemütlichen Ort stattgefunden hat. Ende März letzten Jahres wurde hier in unserem Wohnzimmer unsere kleine, kerngesunde Tochter geboren – gemeinsam mit meinem Freund und unserer Hebamme.

Die Stimmung war ähnlich. Der Ofen heizte den Raum auf, die Morgensonne schien herein und während ich die Wehen veratmete, trudelte unsere Hebamme ein. Mein Freund baute den Gebärpool auf, den wir uns im Voraus besorgt hatten und ließ herrlich warmes Wasser einlaufen.

Seit ich diesen rundum weichen, großen Pool das erste Mal in der örtlichen Hebammerei gesehen hatte, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Schon vorher gefiel mir der Gedanke an wärmendes Wasser, an Geborgenheit und die Kraft der Elemente.

Wochen vorher saß ich gespannt und neugierig mit spitzen Ohren im Geburtsvorbereitungskurs und sog alle Infos zur Geburt auf wie ein Schwamm.

Ich wusste, dass ich für mich und mein Kind eine Geburt wollte, die so natürlich und unbeeinflusst wie nur denkbar möglich war.

Deshalb schied ein Krankenhaus für mich aus, zumal ich nicht krank war sondern schwanger. Auch wollte ich nicht wie eine Kranke behandelt werden. Ärzte verband ich mit dem Gedanken an eine Geburt nicht im Geringsten. Genauso wenig wie Medikamente, Schläuche, Kabel, Abhör- und Überwachungsgeräte.
In meiner Vorstellung wollte ich für meine erste Geburt nur die Hilfsmittel, die ich auch im tiefsten Dschungel gehabt hätte – meinen Partner, eine erfahrene Frau, meine Kraft und den Willen des Babys.

Ich wollte mein Kind gebären, so wie ich es wollte. Frei, selbstbestimmt, auf meine Weise.

Und so saßen wir im Wohnzimmer. Ich im Vierfüßler im Pool und mein Freund davor. Er hielt mir die Hände, massierte mich und schaute, wie er mir helfen kann und was mir guttut.

Es ist unfassbar, wie sich ein ganzer Raum ausblenden kann.
Auf einmal war meine Wahrnehmung nur noch bei mir, bei meinem runden Bauch, meinem sich fürs Kind öffnenden Körper. Ich dachte an Dinge, die ich gelernt hatte, bestimmte Atemtechniken, Posen und Motivationssprüche, aber ab einem gewissen Punkt war dies alles nicht mehr von Bedeutung.

Mein Körper wusste, was er zu tun hatte – mein kleines Mädchen wusste, was zu tun war.

Die Wehen umspülten mich und wurden stärker und stärker. Ich war wie in einem Trancezustand, der nur ab und an unterbrochen wurde, als ich meine Augen öffnete und meinen Freund ansah. Es war, als würde ich aus einer anderen Welt in die Realität schauen, von der ich vor ein paar Minuten auch noch Teil war.
Erst als ich in die Augen meines Freundes schaute, war ich mir wieder bewusst, wo ich war und was ich tat. Er sah so zerbrechlich aus und seine Seele schrie förmlich, weil er mir nichts abnehmen konnte. Für mich tat er jedoch alles, was er nur tun konnte. Er war da – für mich da, für die Ankunft unsere kleinen Tochter bereit. Mir selbst ging es besser in meiner winzigen Welt, darum schloss ich die Augen und sank zurück in meine Trance.

Die Wehen veränderten sich spürbar.
Während ich in der Eröffnungsphase von allen Naturgewalten geleitet war und diese auch aus mir heraustönten, so entspannten sich die Kräfte und zentrierten sich auf meinen Unterleib. Ich spürte, dass nun wirklich etwas aus mir heraus wollte.


Ich kam wieder im Hier und Jetzt an, holte mir einen warmen, stärkenden Blick von meinem Freund als Motivation und merkte, wie jetzt alles nach unten drang.

Was auch immer da für Kräfte auf mich einwirkten – alles strebte nach unten.

Ein wahnsinniger Pressdrang begann, der unwahrscheinlich befreiend wirkte. Ich merkte, dass meine Kleine zum Greifen nah war und so fasste ich zwischen meine Beine und spürte ein winziges Köpfchen, das halb herausschaute.
Die Wehen hielten inne und ich wusste, dass es so weit war. Erst eine wahnsinnig befreiende Wehe und dann kam unsere kleine Tochter mit einer wahnsinnigen Kraft aus meinem Körper und wurde vom warmen Wasser empfangen.

 

Da war sie also – unsere Tochter.
Ein winziges, rosiges Mädchen, ganz entspannt und mit geschlossenen Augen. So kam sie in diese Welt.

Ich hielt sie innig an mich gedrückt und empfand eine Liebe, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte.

Ich wusste, dass diese Liebe nie erlöschen könnte; wusste, dass dieses Kind immer mit mir verbunden sein würde.

Wie in Watte gehüllt und isoliert von der Außenwelt saßen wir drei in aller Stille da, hielten das Wunder, das den Raum zum Strahlen brachte und spürten in uns hinein, spürten in unser kleines Mädchen und erhaschten einen Augenaufschlag, der von solcher Klarheit war, dass es uns vor lauter Liebe den Atem verschlug.

 

Wenn ich an die Geburt unserer Tochter zurückdenke, habe ich oft Tränen in den Augen.
Es war alles so schön, so spannend und intim, so neu und doch vertraut, schnell und doch langsam, einfach richtig! Ich denke, dass ich mir die Geburt nicht schöner hätte ausmalen können.

Sie war wild, kraftvoll und animalisch, dabei voller Geborgenheit und Schönheit.

Ich würde nichts anders machen und bin froh, dass ich ohne Zweifel Vertrauen in mich und mein Kind hatte. Dass ich mich trotz meines mahnenden, kritischen, mir Angst machen wollenden Umfeldes gedanklich abgeschottet habe und die Geburt unseres ersten Kindes im Wohnzimmer unseres kleinen Häuschens zelebrieren konnte. Nur so war es richtig, nur so war es echt!

Jede Frau, ob schwanger oder nicht, möchte ich dazu ermutigen, an sich selbst zu glauben, sich selbst zu spüren, auf ihre Intuition zu vertrauen, sich wahrzunehmen und ihren Körper zu verstehen. Gerade, wenn sich darin ein kleines Wesen befindet, ist es unbeschreiblich schön ein inneres Band zu haben, das dich leitet, hält und eine wunderschöne Kommunikation zwischen dir und deinem Kind ermöglicht – ganz ohne Worte.
Nur so wie es war, kann ich sagen, dass ich aus meiner Kraft und der Kraft des Kindes ein kleines Wesen natürlich zur Welt gebracht habe.

 Zwei Monate genossen wir mit unserer kleinen Tochter zusammen das Wochenbett und nahmen es wörtlich:
wir kuschelten nackt im Bett und konnten uns an den winzigen Fingerchen, der weichen Haut, den kleinen Regungen und den wunderschönen Wimpern einfach nicht sattsehen.
Der Duft des Babys lag im Raum und umnebelte uns wie eine sanfte Wolke. Nicht eine Sekunde konnte ich meine Augen von ihr wenden, nicht einen Zentimeter zwischen uns bringen.

Jetzt ist sie schon 10 Monate alt und es hat sich nichts verändert. Die Liebe und Faszination zu ihr ist so groß wie am ersten Tag. Jeden Tag überrascht sie uns aufs Neue mit neuen Gesten, Lauten, Taten und immer neuer Mimik. Sie ist ein mutiges, waches Kind, das vor lauter Neugierde kaum zu bremsen ist.

Und so, wie sie mit einer einzigen bestimmten Wehe auf diese Welt kam, ist sie bis heute geblieben: mit dem Kopf durch die Wand. Sie ist wahnsinnig ausgeglichen, entspannt und zufrieden mit sich und ihrer Umwelt.

Die Geburt ist ein Prozess, den die Natur übernimmt.
Es ist unbeschreiblich, nicht in Worte zu fassen.
Keine Geste, kein Wort, kein Bild und kein Ausdruck kann dieses Ereignis treffend beschreiben. Man muss es erleben.“

 
Danke, liebe Marie, fürs Teilen deiner berührenden Geburtserfahrung!
Wir möchten mit dieser Geburtsgeschichte keine Geburtserfahrungen, ob zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik, bewerten.
Mit persönlichen Geburtsgeschichten wollen wir Frauen Mut machen, sich ihren Geburtsort und die Geburtsbegleitung ganz bewusst zu wählen.

 

Hat Dir der Artikel gefallen?
Dann teile ihn gerne mit deinen Freunden auf Facebook.
Herzlichen Dank für Deine Unterstützung!

Magst du uns erzählen, welche Geburtserfahrungen Du gemacht hast?
Wie hast Du die Schwangerschaft erlebt und die ersten Wochen mit deinem Baby?
Wir freuen uns auf deine Geschichte direkt hier unten in den Kommentaren.

 

Eltern sein Tag und Nacht

Eltern sein Tag und Nacht

Mit viel Liebe haben wir den Stubenwagen für unser erstes Kind vorbereitet. Stunden-, ja tagelang hatte ich an der mit Spitzen besetzten Innenverkleidung und dem schönen neuen Vorhang genäht. Wunderschön hat er ausgesehen. Ein mit Stoff ausgekleideter, weißer Korb, über dem an einer Stange ein schöner Vorhang befestigt war. Eine Menge Liebe und Vorfreude, die wir in unserem Herz hatten, steckten wir in den zukünftigen Schlafplatz von unserem Baby. Unser Baby sollte sich geborgen fühlen in seinem neuen Bettchen.

Elina war ein paar Tage jung, als wir sie zum ersten Mal in ihr hübsches Bettchen legten. Weder die Spitzen, noch die liebevoll genähte Innenauskleidung schien sie zu beeindrucken. Sie fing aus Leibeskräften an zu weinen. Egal ob wir die Matratze vorgewärmt hatten, ob noch ein T-Shirt von uns drin lag, ob wir den Wagen hin und her geschoben haben, sie mochte es nicht, in dem Wagen zu liegen.

Die Hebamme, der wir vertrauten, empfahl uns, Elina immer wieder hineinzulegen, sie auch mal im Wagen schreien zu lassen und einfach immer wieder nach ihr zu schauen. Wir haben den Rat – unwissend und unsicher, wie wir waren – befolgt. Es fühlte sich nicht stimmig an und es zerreißt mir heute fast das Herz, wenn ich daran denke, aber wir wussten es einfach nicht besser.

Zum Glück sind wir schnell wieder davon abgekommen. Elina wirkte so verzweifelt und anstatt sich zu beruhigen wurde sie, wenn sie alleine im Wagen lag, immer aufgeregter. Das konnte nicht die Lösung sein. Wir nahmen Elina ab sofort zu uns ins Bett und fingen an, uns gründlicher mit dem Phänomen Baby- und Kinderschlaf zu beschäftigen.

Ein kleiner Perspektivenwechsel
Auf dieser Welt ist alles neu für den kleinen Säugling – auch das Dunkel der Nacht. Ein Baby/Kleinkind ist rund um die Uhr auf den Schutz eines Erwachsenen angewiesen. Es braucht uns auch in der Nacht, vielleicht sogar ganz besonders in der Nacht. Eigentlich ist es sehr verständlich, dass ein so kleines, hilfebedürftiges Wesen jemanden an seiner Seite haben möchte, der ihm Schutz, Wärme und Geborgenheit gibt.

Das angeborene Überlebensprogramm
Als Menschen sind wir darauf gepolt, nur unter sicheren Bedingungen einzuschlafen. Logisch eigentlich, denn im Schlaf sind wir absolut schutzlos. Dies gilt ganz besonders für Babys. Sie kommen mit einem Überlebensprogramm auf die Welt, das auf ein Leben in einer nasskalten Höhle genauso vorbereitet ist wie auf das Leben als Nomaden mit der ständigen Bedrohung von wilden Tieren und rauer Witterung.

Liegt dieses Baby jetzt in einer sauberen, ja sogar weichen Wiege in einer sicheren und warmen 4-Zimmer-Wohnung, so fühlt sich das innere Überlebensprogramm der Kindes oft trotzdem erst dann sicher, wenn es den Duft, Herzschlag und Körperkontakt eines fürsorglichen Erwachsenen spürt.

In anderen Kulturen ist es ganz normal, dass Babys und (Klein-)Kinder bei den Erwachsenen schlafen. Das war auch in unseren Breitengraden bis vor nicht allzu langer Zeit normal. Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert fing man an, den Reichtum mit großen Häusern zu zeigen. Kinder bekamen zum allerersten Mal in der Geschichte ein eigenes Zimmer. Dies betraf aber zuerst nur die Kinder der oberen Schicht.

Meine Großmutter erzählte mir erst kürzlich mit leuchtenden Augen davon, dass sie als Kind zu mehreren ein Bett geteilt haben. Es ist also noch gar nicht lange her, dass Co-Sleeping bei uns Gang und Gäbe gewesen ist. Offensichtlich haben wir heute Erwartungen an unsere Kinder, die so gar nicht mit ihrem biologischen Entwicklungsprogramm übereinstimmen. Wir haben manchmal sogar Erwartungen an sie, die die Erwartungen an uns Erwachsene bei Weitem übersteigen.

Die Erwartungen
Gehört ihr auch zu den Menschen, die abends Mühe haben, einzuschlafen und nachts unruhiger schlafen, wenn euer Partner nicht zuhause ist? Es ist in unserer Gesellschaft ganz natürlich, dass Paare in einem gemeinsamen Raum, ja sogar in einem gemeinsamen Bett schlafen. Ro und ich finden das eine wunderbare Tradition und genießen es beide sehr, abends aneinander gekuschelt einzuschlafen. Es hilft uns herunter zu fahren, wir kommen in der Gegenwart des anderen viel leichter zur Ruhe als alleine.

Es ist in unserer Kultur ganz normal, wenn eine Frau erzählt, dass sie abends auf ihren Partner wartet und erst zu Bett geht, sobald er Zuhause ist. Von unseren Kindern – ja sogar von den Babys – erwarten wir oft, dass sie alleine einschlafen und nachts durchschlafen.

Als wir uns intensiver mit dem Babyschlaf auseinandergesetzt haben, wurde uns immer mehr bewusst, dass es natürlich und von der sogar Natur gewollt ist, dass ein Baby nachts aufwacht und sich vergewissern will, dass es sicher und beschützt ist. Außerdem wacht es auf, weil es Nahrung für sein Wachstum braucht.

In diesem Wahrnehmen der Bedürfnisse unseres Kindes liegt für uns ein tiefes Geheimnis. Indem wir erkannt haben, dass unser Baby ein echtes, tiefes Bedürfnis nach unserer Nähe hat (und uns nicht manipulieren will), fiel es uns viel leichter, dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Co-Sleeping und Familienbett
Ganz ehrlich, ich hätte mir früher NIE vorstellen können, dass ich mein Bett mal mit unserem Baby oder sogar mehreren Kindern teilen würde. Ich war der Überzeugung, dass ich nachts viel Raum für mich brauche und dass unser Kind in der Wiege nebenan – bald auch in seinem eigenen Zimmer – schlafen würde. Ich hielt ehrlich gesagt nicht viel von Co-Sleeping.

Dabei ist Co-Sleeping (also irgendeine Art des gemeinsamen Schlafens in einem Raum oder Bett) weltweit gesehen die Norm und nicht eine Alternative.

Bei uns war es anfangs ein Ausprobieren. Wir haben Elina aus der Not heraus zu uns ins Bett genommen. Ihr gefiel es und uns hat es zu bisschen mehr Schlaf verholfen. Zu dritt im 140cm breiten Bett wurde es uns aber bald zu eng und so haben wir einen kleinen Babybalkon angehängt. Elina fand unsere Idee, dass sie alleine auf der kleinen Matratze liegen sollte, nicht so toll und so lag sie dann doch meist bei uns auf der Matratze.

Die Lösung fanden wir in einem normalen Bett, welches wir direkt neben unser großes Bett stellten. Die Matratzen hatten beide die gleiche Höhe und so entstand eine große Kuschelwiese. Das Familienbett war geboren.

es-gibt-nichts-schoeneres-als-am-morgen-bei-den-menschen-aufzuwachen-die-mir-am-naechsten-sind

Was wir zuerst widerwillig eingerichtet haben, haben wir inzwischen richtig schätzen gelernt. Es gibt bei uns kein (!) nächtliches Aufstehen. Ist das Baby (oder inzwischen Kleinkind) unruhig, werde ich wach bevor es nach mir schreien muss. Ich kann es stillen, abhalten oder vielleicht auch einfach nur ein bisschen streicheln. Schon können wir wieder weiterschlafen.

Ich selber habe eher einen leichten Schlaf und manchmal Mühe mit dem Einschlafen. Dank dem Familienbett werde ich fürs nächtliche Stillen nicht hellwach. Ich kann quasi stillend weiterdösen und bin schnell wieder im Tiefschlaf.

Elterlicher Schlafmangel
Ohne Zweifel kann die Baby- und Kleinkindzeit für die Eltern sehr anstrengend sein. Wir sind als Erwachsene tagsüber so gefordert, dass wir auf eine entspannte ruhige Nacht angewiesen sind. Vielen Eltern sind komplett auf sich alleine gestellt und haben keine oder wenig Unterstützung von Verwandten oder Freunden. Ein Baby, das seine Eltern auch nachts braucht, passt nicht besonders gut in unseren modernen und durchgetakteten Alltag. Bei uns hat das zeitweise zu sehr großer Frustration und Verzweiflung geführt.

Wir haben für uns entdeckt, dass oft zusätzlicher Stress entsteht durch unsere eigenen unrealistischen Vorstellungen und die Erwartungen von außen rund um das Schlafverhalten eines Babys. Wenn wir davon ausgehen, dass das Kind „nur ein Theater“ macht, sind wir innerlich blitzschnell auf 180.

Und dann ist der Teufelskreis perfekt. Genervte und angespannte Eltern tun sich schwer, ihr Baby geduldig in den Schlaf zu begleiten. Die Spannung überträgt sich unmittelbar auf das Kind. Das Baby schreit immer mehr, anstatt dass es zur Ruhe kommt.

Unruhige, weinende Babys sind darauf angewiesen, dass seine Eltern Ruhe ausstrahlen. Vielen Eltern hilft es, in einer angespannten Situation bewusst tief ein- und langsam auszuatmen. Auch die Frage „Wo fühle ich meine eigene Anspannung im Körper?“ hat mir schon oft geholfen, mit selbst wieder gewahr zu werden.

Es ist unglaublich unspektakulär. Uns hat es geholfen, die Bedürfnisse unserer Kinder zu kennen und sie anzunehmen. Das war für uns ein wichtiger Schritt in Richtung entspannte Nächte. Das Familienbett ist für uns die Form, wie wir die Bedürfnisse von uns allen am besten unter einen Hut bekommen. Andere Familien haben für sich andere Lösungen gefunden.

Wir dürfen kreativ sein und uns mit unseren Kindern so einrichten, wie es für uns am besten passt!

Wie schlaft ihr am ruhigsten? Welche Schlafsituation gefällt euch am besten?

 

Buchempfehlung:

Ich will bei euch schlafen! von Sybille Lüpold
Dieses Buch hat uns die Augen geöffnet. Es hat uns sehr geholfen, die Geheimnisse einer ruhigen Nacht zumindest ansatzweise zu lüften.

Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten von Herbert Renz-Polster und Nora Imlau
In diesem Jahr erschienen. Absolut empfehlenswert. Obwohl unsere Mädchen keine Babys mehr sind, hat uns das Buch sehr inspiriert.

Eine Freundin von uns, die Nora Imlaus Buch gelesen hat, schreibt dazu: Ich finde es suuuper! So einen entspannten Umgang mit dem Thema „Schlafen“, wie die Autorin hat, habe ich sonst noch nie mitbekommen dürfen. 

 

Text enthält Affiliate-Links

Bergluft, Wiesenblumen und Sonnenaufgang unter der warmen Bettdecke

Bergluft, Wiesenblumen und Sonnenaufgang unter der warmen Bettdecke

Die vergangenen vier Wochen haben wir inmitten der Alpen verbracht. Rings um uns die Natur, die raue und wunderschöne Bergwelt. Weit und breit niemand anderes außer uns. Vier Wochen ohne Strom, ohne Auto, ohne Termine.
Schon lange habe ich (Damaris) von einem Sommer auf der Alp geträumt. Im letzten Winter haben wir uns entschieden, dass wir uns in diesem Jahr einen Alpsommer gönnen wollen. Weil wir aber inzwischen mitten in den Vorbereitungen für den Online-Kongress „Glückliche Babys und Kleinkinder“ stecken, mussten wir die Zeit auf der Alp auf vier Wochen reduzieren. Vier Wochen, die wir aus vollem Herzen genossen haben!

Viele haben uns gefragt, was man denn auf einer Alp den lieben langen Tag macht. Ganz ehrlich, die Tage geben wirklich mehr her als Zuhause im Trubel des Alltags. Und ja, es ist so, dass sich die Tätigkeiten drastisch reduzieren. Aber langweilig war es uns keine einzige Minute. Es gibt immer etwas zu tun.

 

… Holz hacken für das heiße Wasser – von Hand, versteht sich.

… den zirpenden Grillen lauschen (wirkt besser als jede Entspannungsmusik).

… wilden Majoran sammeln und das leckerste Sugo aller Zeiten kochen.

… die umherschwirrenden Schmetterlinge beobachten (ich wusste gar nicht, dass es noch irgendwo auf der Welt eine solche Anzahl an Schmetterlingen gibt).

… an sonnigen Tagen Wäsche waschen und im Wind trocknen lassen.

… morgens im Bett beobachten, wie die Sonne direkt hinter den Bergen aufgeht.

… wenn es abends kalt wird, aneinandergekuschelt unter der Decke gemeinsam Bilderbücher anschauen.

… duschen und Haare waschen als Familien-Event – direkt vor der Hütte natürlich.

… vier Wochen lang frische Bergluft atmen.

… gemeinsam den Berg hinunterhüpfen und unter den ausladenden Ästen einer großen Tanne spielen.

… die süßen wilden Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren sammeln und mit blauem (oder rotem) Mund nach Hause kommen.

… im Matsch vor der Hütte spielen und die Gummistiefel mit Wasser füllen.

… gemeinsam in aller Ruhe abwaschen und sich danach über das saubere Geschirr freuen.

… Wiesenblumen in allen Farben pflücken.

… einen Nachmittag mit liebem Besuch zusammen verbringen.

… immer wieder davon überrascht werden, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlägt. Schien eben noch die Sonne, zieht plötzlich schon ein Gewitter auf.

… das Frühstück vor der Hütte mit atemberaubender Aussicht genießen und nach dem Essen einfach sitzen bleiben, weil es so schön ist.

 

IMG_20160806_075152Zugegeben, wir haben auch einiges an Arbeit mit in die Berge genommen. Für den Kongress wollte noch das ein oder andere vorbereitet und in die Wege geleitet werden. Dafür haben wir uns auch immer wieder Zeit genommen. Die über 20 Bücher, die wir mitgenommen hatten, haben wir aber nicht alle durchgelesen. Was jetzt streng genommen wohl die Untertreibung des Monats ist. Wir haben insgesamt schätzungsweise fünf Bücher gelesen. Immerhin. Früher hatte ich im Urlaub immer zu wenig Bücher dabei. Seit wir Kinder haben, schleppe ich die Bücher unnötigerweise mit in die Ferien und wieder nach Hause.

Die Kinder haben auf jeden Fall liebend gerne mit dem Bücherstapel gespielt. Dadurch, dass wir außer ihren Puppen kein Spielzeug dabei hatten, haben sie mit allem, was nicht niet- und nagelfest war, gespielt. Die Essensvorräte wurden in einen Bioladen verwandelt, im Stroh sind ganze Landwirtschaftswelten entstanden und die sauberen Kleider wurden immer wieder für eine imaginäre Reise nach Thailand verpackt.

Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück von der Alp und gerade dabei, uns Zuhause wieder einzuleben.

Schön war sie, die Zeit in den Bergen. Intensiv. Perfekt, um vom turbulenten Alltag inmitten der Kongressvorbereitungen runterzufahren und einfach zu genießen. Einander und die Natur.

Das Leben ist jeden Tag abwechslungsreich, aber auf der Alp inmitten der schönen Natur, fühlt sich das Leben so intensiv, so pur an. Ich liebe es, dieses intensive Leben in mir und um mich herum zu spüren.

 

Der Familie, die uns so großzügig ihre schöne Hütte zur Verfügung gestellt hat, möchten wir an dieser Stelle ganz herzlich danken. Wir haben die Zeit am Rellerli vom ersten bis zum letzten Tag sehr genossen.

 

IMG_3069   IMG_20160802_130542IMG_20160810_142348  IMG_20160812_164848  IMG_20160803_102632  IMG_3061 IMG_3043  IMG_3033 IMG_3125  IMG_3117

 

Liebe Leser, gibt es unter euch auch Alpenfreaks oder wo erholt ihr euch am liebsten? Wann seid ihr euch als Familie am nächsten? Wir freuen uns, von euch zu lesen.

 

 

Babygeleitetes Anlegen

Babygeleitetes Anlegen

Das babygeleitete Anlegen ist nicht nur direkt nach der Geburt, sondern auch Wochen und Monate danach noch möglich. Es ist für Mama und Baby ein wunderschönes Erlebnis, stärkt ihr Selbstvertrauen oder kann nach einem schwierigen Start beiden das Vertrauen in ihre Instinkte wieder zurückgeben.

Bei Stillproblemen führt das babygeleitete Stillen oft zu schmerzfreiem Stillen.

Wichtig dafür ist, dass das Baby ruhig und wach und Mama gelassen und ohne Zeitdruck ist. Lege dich bequem zurückgelehnt auf einen Sessel oder dein Bett. Öffne dein Oberteil so, dass du dir dein nacktes Baby (vielleicht mit einer Windel „bekleidet“) auf deinen Oberkörper legen kannst. Das Baby liegt bäuchlings senkrecht, sein Kopf etwas unterhalb von deinem Kinn.

Ihr genießt, zugedeckt mit einer leichten Decke, das Kuscheln und die Nähe. Lasst euch Zeit.

Vermutlich wird das Baby die Einladung zum Essen irgendwann annehmen und anfangen, nach der Brust zu suchen. Es wird sich zur Seite und nach unten bewegen. Lass es das möglichst selbständig und in seinem Tempo machen und unterstütze es nur dann, wenn du es für nötig hältst. Beobachte dein Kleines und lass ihm Zeit, seine „Arbeit“ in seinem Tempo zu tun.

Übrigens ist das sogenannte „Kuschelstillen“ auch dann möglich, wenn du dich für die Flaschenernährung entschieden hast.

"